VON ANDREAS BRETTING
Berg – Noch ist den meisten Klassikfans der Name Rudens Turku noch nicht im CD-Schrank begegnet. Doch das könnte sich bald ändern. Der als Organisator der Starnberger Musiktage bekannte Geiger hat am Mittwoch im Berger Marstall mit Cellist Wen-Sinn Yang nicht nur ein hinreißendes Konzert hingelegt, sondern auch die Vorarbeit zu einer Plattenaufnahme geleistet: „Im Juni werden wir dieses Programm in London einspielen“, verriet der Violinist. Seine vierte Tonaufnahme wird die erste mit internationalem Marketing werden.
Passend zur königlichen Vergangenheit der Seeufergemeinde hielt Leopold Prinz von Bayern im Marstall die Begrüßungsrede. Den eigentlichen Anlass dafür bot ein karitativer Zweck: Der Wittelsbacher und Turku wirken beide als Botschafter für den Verein Seestern, der in Starnberg die ambulante Krankenpflege und die Ökumenische Nachbarschaftshilfe unterstützt. Die Einnahmen des Konzerts kommen daher dem Seestern zugute.
Das inoffizielle Motto des Abends lautete „Abend der Meister“, denn mit Bach, Paganini und Kodaly wurde ein Bogen durch drei Jahrhunderte der klassischen Musik geschlagen, wobei jeder dieser „Meister“ fast exakt ein Jahrhundert nach dem Vorgänger geboren war. Hierbei mit Paganini zu beginnen erschien recht exaltiert, wie Turku selbst zugab: „Normalerweise baut man ein Konzert so auf, dass es sich von Bach ausgehend zur Moderne hin öffnet.“
Die Abweichung war allerdings sorgsam bezweckt. Denn Paganinis Duetto 1 wirkte nicht so ungestüm, wie man es erwartet hätte. Der Glanz dieses Stücks wurde von Turku und Yang weniger zum knalligen Blenden als vielmehr zum schimmernden Leuchten geführt. Ebenso interpretierte Yang Bachs Cellosuite Nr. 3 C-Dur mit einer Tendenz zur Kontemplation. Somit wurde, wie die Musiker selbst sagten, im ersten Teil des Abends mit der „Kunst der Reduktion“ gearbeitet. Die Wirkung sollte eher mit Durchgeistigung statt mit Dynamik erfolgen.
Das Kontrastprogramm hierzu bot der zweite Teil, wo Zoltan Kodalys Duo für Violine und Violoncello op. 7 aufgeführt wurde. Mit ungestümer Heftigkeit ließ Turku die teils recht derben Volkstänze auf der Geige aufscheinen. Einen völligen Bruch sah der Geiger allerdings nicht, im Gegenteil: „Die Bach-Suiten gehen auch auf gesammelte Tänze zurück.“
Als Zugabe erklatschte sich das Publikum die Paganini-Variationen auf die englische Nationalhymne. Dass das Duo auch dieses fulminante Stück für ihre CD einspielen wird, wird ihnen sicherlich internationale Beachtung garantieren. So wie es Turkus Professur in Chicago tut. „Aber keine Angst“, beruhigte er, „die Musiktage gebe ich bestimmt nicht auf.“ Im Gegenteil: „Ich plane schon für 2010“
Auftakt der 8. Starnberger Musiktage mit dem ABACO – Sinfonieorchester unter Henry Bonamy erweist sich als voller Erfolg
Vom Eröffnungskonzert der 8. Starnberger Musiktage mit dem ABACO-Sinfonieorchester München erwarteten die zahlreichen Besucher im Großen Saal der Starnberger Schlossberghalle festliche Eindrücke.
Erleben konnten sie aber dann etwas Glanzvolles, was obendrein noch mit einem kaum je zu hörenden Stück begann, dem Konzert d-Moll für Klavier, Violine und Streichorchester des damals 14-jährigen Felix Mendelssohn Bartholdy, uraufgeführt in dessen Elternhaus. Der Frühreife hatte bereist Konzerte sogar für zwei Klaviere geschrieben, die extrem seltene Besetzung mit Pianoforte und Geige blieb singulär.
Als Gastdirigent motivierte Henri Bonamy das Orchester zu einem Allegro, dessen schwungvolle Art etwas an Mozart erinnerte. Bei Solopassagen des Klaviers griff Oliver Schnyder energisch, doch ohne Härte zu. Rudens Turku beeindruckte durch kraftvollen Geigenton, so wie er dann lieblichen Passagen vom romantischen Ausdruck entsprach.
Im Wechsel von Stimmung und Tempo wirkte der Satz rhapsodisch. Bei schwierigen Kadenzen brillierten die Solisten, so bei Arpeggien, mit musikantischer Verve, einmal schien Beethoven mit dem Trippelkonzert hereinzugrüßen. Dann begleiteten die Streicher erneut einfühlsam. Besänftigend leiteten sie das Adagio ein, dessen Sanglichkeit das Solistenduo vertiefte. Den Schluß eröffnete der Pianist, mit dem Geiger und dem Streichercorps gespaltete er ihn bravourös. Doch auch als Ganzes wirkte das Konzert wie ein Geniestreich. Dass schon Carl Philipp Emanuel Bach Musik als eine Sprache der Empfindung auffasste, zeigte die Flötistin Marianne Henkel nach der Pause bei dem auch von Pianisten gern gespielten Konzert für Flöte und Streichorchester, d-Moll,Wtq.22 von 1747. Schon beim Eingangsallegro, von Bonamy Orchester- und Solopart mit federnden Bewegungen im Gleichgewicht hielt, verdeutlichte sie mit virtuoser Kunstfertigkeit den empfindsamen Stil, wie ihn Carl Phillipp Emanuel Bach aus beredetem Spättbarock und flüssigem galantem Stil heraus entwickelt. Feinfühlig gestaltete sie das von den Streichern eingeleitete Poco andante besinnlich, ja meditativ. Mit effektvollen Passagen würzte sie das stürmische Allegro-molto-Finale.
Angenehm überraschten daraufhin die Streicher. Auf sich alleine gestellt, vermochten sie die Tanzsätze von Edvard Griegs „Holberg Suite“ in der Besonderheit der jeweiligen Rhythmik als hochromantische Charakterstücke darzustellen
Merkur
Rudens Turkus Solisten – Auswahl ist auch in seiner achten Konzertreihe außergewöhnlich gut
Am Mittwoch Abend tret Rudens Turku mit Sonja Korkeala und dem Rektor der Münchner Musikhochschule, Siegfried Mauser auf. Letzterer bestritt Teil eins des Konzerts mit Klavierwerken von Beethoven und Rihm.
Wie er eingangs ausführlich erläuterte, ging es ihm dabei um die Darstellung einer „ästhetischen Wahlverwandschaft“ zwischen den beiden Komponisten über 300 Jahre Musikgeschichte hinweg. Es war eine zwar angekündigte, aber dennoch überwätigende Überraschung. Diese deutete sich schon in der ersten Gegenüberstellung an, im unmittelbare Aufeinanderfolgen einer Auswahl von Beethovens „Bagatellen“ aus Op.26 und dem Klavierstück Nr.6, das Wolfgang Rihm in den Siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts komponiert hat, einer Schaffensphase, in der er sich ausführlich mit der Wiener Klassik auseinandersetzte. Ging es hier aber noch eher um Gegensätze, als um Gemeinsamkeit, so zeigte Mauser mit der zweiten der Beethoven-Klaviersonate in c-moll, Op.10, Nr.1, und Rihms Klavierstück Nr.7 eine gewaltige Steigerung der Beethovenschen Expressivitätsgesten bei Rihm bis an die Schmerzgrenze auf.
Auch der zweite Konzertteil bot zunächst alles andere als eine akustische Erholung: Der Münchner Komponist Johannes X. Schachtner hat Turku sein „Epitaph für J.S.Bach“ für Violine Solo quasi auf den Leib geschrieben. Die diesem Stück innewohnende Reminiszenz an die berühmte h-moll – Partita entspricht in höchstem Maße Turkus unmittelbar expressivem Ausdruck. Mit lyrisch weichem, voluminös geschmeidigem Klang setzte dann Korkeala die Sonate für Violine und Klavier, Lesure Nr.41, von Claude Debussy an. Die eigenwillige Akustik im Marstall sorgte hier zusätzlich für eine geheimnisvolle schwebende, nahezu sphäriche Atmosphäre, bevor Turku mit Dvoraks Sonatine in g-moll, Op.100, dem Abend einen kraftvoll ausdrucksstarken, gleichvohl runden und harmonischen Schlusspunkt setzte.
Merkur
Starnberger Musiktage: Rudens Turku zeigt bei Konzert mit Oliver Schnyder im Berger Marstall künstlerische Reife
Längst ist der Geiger Rudens Turku zum Synonym für die Starnberger Musiktage geworden. Vor acht Jahren hat Turku die Veranstaltungsreihe ins Leben gerufen – und so eine einzigartige Erfolgsgeschichte begründet: Waren es damals nur einige wenige Zuschauer, so sind die Konzertsäle mit nahezu 2000 Zuschauern inzwischen ausverkauft. Auch im Berger Marstall hatten sich am Freitagabend viele Klassikliebhaber eingefunden, wo Ludwig van Beethovens Kreutzer –Sonate und Edvard Griegs Sonate c-moll op.45 auf dem Programm standen. Mit das schönste an dem Konzert bestand dabei in einem eher nebensächlichen Detail: es gab keine Pause. Dadurch war es möglich, sozusagen übergangslos von einem kammermusikalischen Höhepunkt der Wiener Klassik in die Romantik zu rutschen und damit zu erleben,zu welchen Klangperlen eine Gattung vordringen kann, die man gemeinhin als „kopflassit“ bezeichnet.
Vor allem Beethovens berühmte Sonate wurde unter den Händen Rudens Turkus und Oliver Schnyders am Klavier zu einem Hochgenuss. Lebendig, eruptiv, doch immer auch analytisch genug, um diesen spannungsgeladenen drei Sätzen eine innere Festigkeit zu geben und sie mit Philosophie zu zementieren. Das Duo verstand sich glänzend auf die Notwendigkeiten der Dramaturgie, die mit einem solch anspruchsvollen Werk verbunden sind.
Erstaunlich ist vor allem die künstlerische reife des 29-jährigen Geigers: Turku hielt im Variationssatz optimal die Balance zwischen der wehmütigen Melodik und den verspielten, beinahe überschwänglich wirkenden Klangfiguren, die so tänzerisch daherkommen und den Gefühlstiefen, die unter ihnen brodeln.
Sein Spiel, das zeigte sich an diesem Abend wieder, ist so ausdrucksstark wie sauber und klangschön zugleich: Vibrato – Gehabe ist Turkus Sache nicht, er arbeitet an den tönen vielmehr wie ein akribisch arbeitender Bildhauer, der, nachdem seine Figur längst fertig ist, sie noch einmal von allen Seiten abklopft, um vielleicht nicht doch noch eine unschöne Stelle zu entdecken.
Und so leuchtete Beethovens Musik wie ein in Klang gemeißeltes Gebilde: voller Ecken und Kanten und gleichzeitig so in sich ruhend und beseelt, dass ein schilerndes Abbild der Widersprüchlichkeit im Leben dieses berühmten Komponisten entstand. Die Romantik hingegen ließen die beiden Musiker in den Farben eines Regenbogens prangen.
Merkur
Rudens Turku und Sky du Mont präsentieren Bach in allen Lebenslagen
Bei dem Benefizkonzert mit Lesung zugunsten des Talentwerks im Rahmen der Starnberger Musiktage gaben der Schuspieler Sky du Mont und der Violinist Rudens Turku im Hotel Vierjahres Zeiten eine eindrucksvolle Vorstellung. Du Mont erzählte einfühlsam, humorvoll und spannend vom Leben des großen Komponisten Johann Sebastian Bach, Turku spielte ebenso eindrucksvoll Werke von ihm und dem belgischen Komponisten E.Ysaye.
Du Mont ging bei seinem Vortrag über Bach zuerst auf dessen Kindheit, erste Schritte als Musiker und künstlerische Schaffen als Komponist bei verschiedenen Dienstherren ein. Dann schilderte er unter anderem die Zeit Bachs, von der dieser später selbst behauptete, sie sein „die glücklichste seines Lebens“ gewesen. Gemeint ist seine Bekanntschaft mit dem musikbegeisterten Fürsten Leopold von Anhalt-Köthen, unter dessen Obhut er viele Meisterwerke – unteranderem die berühmten Brandenburgischen Konzerte – schuff.
Nachdem die erste Etappe der Lesung beendet was, spielte Turku auf seiner Violine Bachs Partita Nr.2 in d-moll. Nach einem temperamentvollen Anfang, bei dem er mit großer Energie den Geigenbogen führte, spielte er die folgenden Passagen sehr gefühlvoll. Dabei zeigte er eine bemerkenswerte Schlichtheit und Ruhe in seinem Spiel, die durch starke Intensität und eine flüssige tonfolge niemals an Spannung verlor. Nach seiner Bachinterpretation gab Turku die Sonate Nr.2, Op.27, des belgischen Komponisten E.Ysaye zum besten. Turku bewältigte Ysayes zum Teil eigenwilligen Klangkompositionen souverän.
Am Ende des Konzerts gab es für die beiden Künstler heftigen Applaus von den rund 150 Zuschauern, so dass Turku und Du Mont sich mit der literarischen und musikalischen Darbietung des Kinderbuches „ Ferdinand der Stier“ zu einer sehr originellen Zugabe entschlossen.
„Wir haben das Stück gar nicht geübt“, entschuldigte sich Du Mont vorher unnötigerweise, denn die beiden Künstler übertraffen sich anschließend geradezu an Esprit und Witz.
Merkur